Kredite dauern heute oft nicht mehr lange. Einige Anbieter werben mit Rekordzeiten von unter 30 Stunden bis zur Auszahlung. Da ist es verständlich, dass einige Kreditnehmer durchaus skeptisch reagieren, denn kann ein Kredit seriös und korrekt sein, wenn er quasi kurz nach der Anfrage schon ausbezahlt wird? Ja, das kann er, denn der Bearbeitungsprozess ist beinahe derselbe, er weicht nur von längst ausgetretenen Pfaden ab, wie dieser Artikel beweist.

Eine schnelle Kreditaufnahme ist heute nicht mehr unmöglich. Bildquelle: @ Finanzcheck.de

1. Die Kreditaufnahme vorbereiten

Damit es schnell geht, muss der Kreditnehmer durchaus ein wenig mitarbeiten. Das schnellste Angebot hilft nicht, wenn der Kreditnehmer quasi drei Tage benötigt, um seine Kontonummer durchzugeben. Daher gilt, dass die Kreditaufnahme schon gut vorbereitet werden sollte:

  • Unterlagen – die relevanten Unterlagen müssen herausgesucht und digitalisiert werden. Zum Glück genügt für die Digitalisierung heute ein einfaches Foto mit dem Smartphone, damit die Unterlagen hochgeladen werden können. Wer es noch einfacher möchte, braucht die Gehaltsabrechnungen der letzten Monate nicht, denn er kann den digitalen Kontoblick freigeben. Über diesen ermächtigt man die Kreditbank, die Kontobewegungen in einem gewissen Zeitraum einzusehen.
  • Ausweisdokumente – auch sie werden benötigt. Liegt ein Personalausweis mit digitalen Funktionen vor, so kann dieser genutzt werden. Ansonsten wird ebenfalls die Vor- und Rückseite abfotografiert und schließlich hochgeladen.
  • Weitere Dokumente – sollen Sicherheiten mit angegeben werden, so werden auch diese digitalisiert.

Wichtig ist, dass die Aufnahmen sehr gut lesbar sind. Verschwommene oder zu dunkle Fotos werden fast immer moniert, was natürlich ebenfalls wertvolle Zeit kostet.

2. Digitale Signatur nutzen

Ein Großteil der bislang online aufgenommenen Kredite verlor Zeit durch den Postweg. Das ist klar, denn ein beliebiger Brief dauert im Schnitt ein bis zwei Tage. Muss er unterschrieben und wieder zurückgesandt werden, gehen wiederum ein bis zwei Tage ins Land. Und erst jetzt liegt er dem Unternehmen vor, allerdings erst dessen Poststelle. Diese Schwachstelle haben die digitalen Kredite erkannt und verzichten, wenn es geht, auf die normale Postnutzung:

  • Unterschrift – sie wird jetzt digital durchgeführt. Es gibt längst etliche Programme, die eine rechtsverbindliche Unterschrift bieten und die vom Kreditgeber in den Bearbeitungsprozess eingebaut werden können.
  • Funktionsweise – hier gibt es weiterhin Unterschiede. Korrekte Unterschriften können über die gewöhnliche Tastatur, das Touchpad oder auch über den Touchscreen erstellt werden. Es kommt immer auf das Programm im Hintergrund an, welches aus dem »Gekritzel« eine eigene Signatur erstellt.

Letztendlich ist es sinnvoll, auf die digitale Signatur zu setzen. Nicht nur spart sie Zeit, auch der Aufwand ist weitaus geringer. Zwar versenden normale Kreditgeber die Unterlagen durchaus per E-Mail oder stellen sie zum Herunterladen bereit, doch muss der Kreditnehmer nun wieder schauen, wie und wo er die Unterlagen ausdruckt, damit er sie überhaupt unterzeichnen kann. Ein Einscannen der unterschriebenen Unterlagen ist dann wieder nicht möglich, denn das Papier muss auf dem Postweg zur Bank. Natürlich geht bei dieser Bearbeitungsform viel Zeit verloren.

3. Digitaler Versand der Unterlagen

Dieser Aspekt schließt sich gleich der Unterschrift an und betrifft zudem die eigenen Finanzunterlagen. Wie war es bislang?

  • Antrag – der Kredit wurde beantragt. Damit die Beantragung jedoch bearbeitet werden konnte, war ein weiterer Schritt notwendig.
  • Unterlagen – sie mussten irgendwie zur Bank gelangen. Das war bis vor einigen Jahren nur auf dem Postweg oder persönlich möglich. Heute werden die abfotografierten Dateien einfach hochgeladen.
  • Anforderungen – bei einem Onlinekredit muss der Kunde verifiziert werden. Sicherlich fügt der Kunde bereits bei der Beantragung den Personalausweis in Kopie bei, diese reicht aber nicht. So wurde der Kunde bislang per Post (oder E-Mail) aufgefordert, mit einem Schreiben zu einer Stelle zu gehen, bei der er sich legal verifizieren konnte. Die Bestätigung indes wurde wieder per Post zur Bank geschickt.

Und heute? All die Schritte laufen digital ab. Unterlagen werden hochgeladen, Anfragen werden via E-Mail oder Nachricht gestellt, selbst die Verifikation erfolgt online. Da der Postweg nicht mehr vorhanden ist, wird wertvolle Zeit gewonnen. Möchte der Kunde die Unterlagen zum bewilligten Kredit zu seinen Akten legen, so kann er sie aus dem Kundencenter selbst herunterladen und schließlich ausdrucken.

4. Video-Ident-Verfahren

Einige Bereiche der Geschäftswelt setzen eine eindeutige Identifizierung der Geschäftspartner voraus. Bei Krediten gilt das besonders, denn es muss sichergestellt werden, dass nicht Hans Müller im Namen von Klaus Mustermann einen Kredit aufnimmt. Im Onlinegeschäft gab es diesbezüglich echte Schwierigkeiten:

  • Prüfstellen – nicht jeder ist dazu berechtigt, die Person zu überprüfen. Im Regelfall wurde die Deutsche Post dazu genutzt. Hierfür war ein Schreiben der kreditgebenden Bank notwendig, mit dem der Kreditnehmer zur Post ging und sich dort verifizieren ließ.
  • Problem – die Zeit. Nicht nur nehmen die Postfilialen massiv ab, auch die Öffnungszeiten sind oft so gestaltet, dass ein Arbeitnehmer es kaum rasch zur Post schafft. Wer dienstags die Aufforderung erhielt, konnte teils erst am Wochenende zur Post gehen. Wertvolle Tage gingen also ohne eine weitere Kreditbearbeitung ins Land.

Was ist heute? Mittlerweile bieten etliche Unternehmen das Video-Ident-Verfahren an, auch die Deutsche Post. Über die Webcam wird nun der Ausweis in die Kamera gehalten und vom zertifizierten Mitarbeiter mit der Person am PC verglichen. Die Bestätigung kommt direkt und wird von der Verifizierungsstelle nicht selten direkt zur Bank geschickt.

Das Verfahren ist mit der wichtigste Aspekt in der neuen Kreditbearbeitung. Da die lästigen Wartezeiten entfallen, kann die Verifizierung praktisch mitten auf der Arbeit bei einem Besuch auf der Toilette durchgeführt werden. Doch was ist an der Verifizierung eigentlich so wichtig?

  • Bearbeitung – ab einem bestimmten Punkt kann ein Kredit nicht weiterbearbeitet werden, wenn nicht absolut sichergestellt ist, dass der Online-Kunde die ausgegebene Person ist. Dahinter verstecken sich Sicherheitsmechanismen. Immerhin könnte der Kunde auch einen Personalausweis gestohlen und Unterlagen manipuliert haben, um im Namen der Schwiegermutter den Kredit aufzunehmen.
  • Stillstand – somit ist klar, dass eine Bearbeitung und somit eine Auszahlung nicht erfolgen kann, wenn der Kreditnehmer nicht einwandfrei identifiziert wurde. Was ärgerlich und lästig klingt, hilft letztendlich jedem Bürger. Jeder kann seine Geldbörse verlieren und niemand will, dass Hinz und Kunz in seinem Namen einen Kredit aufnehmen.

Wie schnell ist die Bearbeitung?

Einige Kredite können durchaus binnen 32 bis 48 Stunden ausgezahlt werden. Die Voraussetzung ist, dass alle Unterlagen vorliegen oder direkt nachgereicht werden. Selbst bei volldigitalen Krediten ist der Kreditnehmer in der Pflicht, denn kommt er Aufforderungen erst mit einem Tag Verspätung nach, so verzögert sich freilich die Auszahlung.

Fazit – gleicher Prozess, doch digital

Die schnellen Kredite von heute gehen denselben Weg wie jeder andere Kredit auch. Die Prüfung des Kunden findet weiterhin statt, nur werden statt Papierunterlagen digitale Dateien genutzt. Wo sonst Aufforderungen oder Unterlagen per Post verschickt wurden, reicht heute das Hochladen oder eine E-Mail. Diese Variante spart wertvolle Zeit und ermöglicht es den Banken, Kredite binnen weniger Tage oder Stunden zur Auszahlung freizugeben. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Die schnellen Kredite belaufen sich meist auf die Standardfälle. Kreditaufnahmen mit zweiten Kreditnehmern, Bürgen oder sonstigen Besonderheiten bedürfen einer längeren Prüfung, auch wenn die digitalen Wege bestehen bleiben. Doch die kurzen Zeiten sind nun kaum einzuhalten.