Die Sportminister der Länder haben sich für das Jahr 2022 im Schwerpunkt die Weiterentwicklung des Spitzensports in Deutschland zur Aufgabe gemacht. Sie wollen in diesem Jahr eine Position zur Förderung des Spitzensports in Deutschland erarbeiten. Aufgrund der aktuellen Lage befasste sich die Sportministerkonferenz (SMK) in München unter Vorsitz des rheinland-pfälzischen Sportministers Roger Lewentz auch verstärkt mit den Auswirkungen der Energiekrise auf den Sport. Thema waren unter anderem auch die Sportstätteninfrastruktur und der Kampf gegen sexualisierte Gewalt im Sport.

Unterstützung für den organisierten Sport bei der Bewältigung der Energiekrise

Die sich gegenwärtig verschärfenden Krisensymptome der Energieknappheit sind omnipräsent. Dabei beinhalten die laufenden Debatten um Prioritäten zur Energieversorgung von Kommunen, Industrie oder Privathaushalten bereits zukünftige Zuteilungsauseinandersetzungen von knappen Ressourcen. Schon jetzt hat der Deutsche Städtetag mit Blick auf die ab 1. Oktober 2022 beginnende Heizperiode angekündigt, dass kein kommunaler Bereich von Einsparmaßnahmen unberührt bleiben kann und daher explizit Bäder, Sportanlagen und der Kulturbereich mit zu beachten sind.

„Die Sportministerkonferenz unterstreicht klar die Forderung, Sportstätten und insbesondere Schwimmbäder trotz steigender Energiekosten so lange wie möglich offen zu halten. Gerade solche Einrichtungen als Einrichtungen zur sozialen Daseinsvorsorge erachten wir als zentral. Es besteht gesamtgesellschaftlich eine große Übereinstimmung, dass Beschränkungen im Sport die psychosoziale wie gesundheitliche Entwicklung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, aber auch die von Erwachsenen, nachteilig beeinflussen. Wir müssen aus den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre die richtigen Schlüsse ziehen und einen intensiven Blick auf unsere Sportlerinnen und Sportler richten“, so Roger Lewentz, Vorsitzender der Sportministerkonferenz.

Die SMK appellierte an den Bund, bei der Schaffung von Hilfen, die von Energiekostensteigerungen besonders betroffenen Unternehmen oder Privatverbraucherinnen und -verbraucher entlassen sollen, auch die Betreiber von Sportstätten zu berücksichtigen. Den vom DOSB vorgelegten Stufenplan, den Energie- und Gasverbrauch in den Sportstätten, insbesondere in Bädern zu reduzieren, trug die Konferenz als Zeichen des Sports, auch einen entsprechenden Beitrag zu leisten, mit.

Förderung des Spitzensportes

Nach einem ersten Schwerpunkt-Austausch der Sportminister zum Spitzensport während der Frühjahrskonferenz in Hamburg, unter anderem zum Leistungssportsystem in Großbritannien, lag der Schwerpunkt in München auf dem Dialog mit dem Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI), dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Deutschen Behindertensportverband, um gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern weitere Reformschritte anzugehen.

„Die European Championships zeigen, wie uns die Leistungen der deutschen Athletinnen und Athletinnen alle mitreißen, begeistern und überraschen. Diese Erfolge dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Spitzensport in Deutschland noch besser werden muss. Auf dieser Sonder-SMK in München herrschte Einigkeit darüber, dass wir in Deutschland den Anschluss an die sportliche Weltspitze nicht verlieren dürfen. Die Athletinnen und Athleten im Mittelpunkt, mehr Transparenz beim Mitteleinsatz aus der öffentlichen Hand, eine professionelle Steuerung des Spitzensports und die Nachwuchsförderung stehen hier in unmittelbarem Zusammenhang. Dies kann nur gelingen, wenn Sport im Großen wie im Kleinen, in der Schule wie im Verein und in der Gesellschaft verankert ist“, sagte Juliane Seifert, Staatssekretärin im BMI.

Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hob im Rahmen der Konferenz hervor: „Wir müssen die Diskussion über Sport und Bewegung und damit auch über die Bedeutung des Leistungssports für unsere Gesellschaft intensiv führen. Wir wünschen uns, dass am Ende dieser Diskussion ein ‚Pakt für den Sport‘ gemeinsam mit der Politik zustande kommt, um die positiven gesellschaftlichen Potentiale des Sports in all seinen Facetten besser heben zu können.“

Sportstätteninfrastruktur: Förderprogramm für kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur energetischen Sanierung vereinseigener Sportstätten

Sport und Bewegung brauchen Räume und Orte, an denen sie positive gesellschaftliche, gesundheitliche und persönlichkeitsfördernde Effekte auslösen können. Die Sportinfrastruktur bildet das Rückgrat des organisierten Sports und muss daher langfristig in einem Zustand gehalten werden, der den Betreibern eine zuverlässige und nutzerorientierte Bereitstellung der Sportstätten ermöglicht.

Durch die aktuelle Energiekrise treten neue Herausforderungen für die Betreiber der Sportstätten in den Vordergrund, die zukünftig eine noch stärkere Abkehr von fossilen Energieträgern und eine noch intensivere Nutzung von regenerativen Energien notwendig machen. Länder und Kommunen unterstützen die Sportvereine bereits seit vielen Jahren mit vielfältigen Förderprogrammen und finanzieller Unterstützung zur Modernisierung der vereinseigenen Sportstätten.

„In der aktuellen Lage benötigen die Vereine nach Auffassung der Sportministerkonferenz weitere Impulse für nachhaltige Investitionen und energie- und ressourcensparende Maßnahmen“, betonte SMK-Vorsitzender Lewentz. Die SMK unterstütze daher die vielfältigen Initiativen des organisierten Sports zur Modernisierung der vereinseigenen Sportinfrastruktur, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz und stärkere Nutzung regenerativer Energien. Die SMK forderte zudem den Bund auf, den Investitionspakt Sport auch in 2023 und den darauf folgenden Jahren grundsätzlich fortzuführen und in das Bundesprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur auch die vereins- und verbandseigenen Sportstätten mit einzubeziehen oder ein separates Programm aufzustellen. Bei dem bestehenden Bundesprogramm hält es die SMK für erforderlich, auch die für Sport zuständigen Ressorts in den Prozess verstärkt einzubinden.

Einrichtung einer Ansprechstelle und Entwicklung eines Zentrums „Safe Sport“

Die Sportministerkonferenz sieht den Kampf gegen sexualisierte und interpersonale Gewalt im Spitzen- und Breitensport als aktuelle Herausforderung. Vorfälle dieser Art gefährden die Integrität des Sports. Die Sportministerinnen und Sportminister der Länder und des Bundes verurteilten im Rahmen ihrer Konferenz jede Form von sexualisierter Gewalt und interpersonaler Gewalt auf das Schärfste. Prävention, Intervention und Aufarbeitung stehen im Mittelpunkt. Die SMK begrüßte daher das vom Bund aufgelegte Konzept für das Einrichten einer unabhängigen Ansprechstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt im Sport. Diese soll zum 1. Januar 2023 eingerichtet werden. In einem weiteren Schritt soll diese Stelle Teil eines Zentrums „Safe Sport“ werden, das als zentrale Einrichtung im Kampf gegen Gewalt und Missbrauch dienen soll. Ein Fahrplan zur Errichtung eines solchen Zentrums soll bis Ende des Jahres 2022 erarbeitet werden.

„Sexualisierte, psychische und physische Gewalt sind für erschreckend viele Athletinnen und Athleten Realität. Nicht nur im Spitzen- sondern auch im Breitensport. Ich freue mich, dass wir als Bund, Länder und Sportverbände gemeinsam ein Zentrum Safe Sport für sicheren und gewaltfreien Sport gründen. Wir ziehen hier mit den Ländern an einem Strang. Das Zentrum wird eine sehr wichtige Anlaufstelle sein im Kampf gegen sexualisierte Gewalt und jede andere Form der Gewalt im Sport. Noch in diesem Jahr wird die Ansprechstelle für Betroffene den Betrieb aufnehmen. Wir handeln gemeinsam – und das ist das absolut richtige Signal“, betonte Sportministerin Nancy Faeser anlässlich der Sportministerkonferenz.

European Championships

Die Konferenzteilnehmer besuchten im Anschluss an die Beratungen die Leichtathletikwettbewerbe im Münchner Olympiastadion. Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann betonte als Gastgeber der außerordentlichen Sportministerkonferenz: „Die phänomenale Stimmung, die Begeisterung und die erfolgreiche, nachhaltige Organisation für die European Championships sind Ermutigung und Ansporn für weitere Wettbewerbe solcher Art. Sie sind das Paradebeispiel dafür, wie internationale Großveranstaltungen im Sport künftig gestaltet werden können: Keine einzige Sportstätte musste neu erbaut, temporäre Anlagen können wieder abgebaut werden, die alt-ehrwürdigen Olympia-Sportanlagen von 1972 tun bis heute ihren Dienst, die Begeisterung für die verschiedenen Sportevents mitten in der Stadt ist riesig und überträgt sich auf die Sportler. Kurzum: Das Sportland Bayern zeigt sich von seiner besten Seite.“

Hintergrund zur SMK

Die Sportministerkonferenz besteht seit 1977 und dient der Koordinierung der Sportförderung in den Ländern. Darüber hinaus wahrt die SMK die Interessen aller Bundesländer im Bereich des Sports auf nationaler wie internationaler Ebene. Sie ist erster Ansprechpartner der Länder für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und für das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI), wo der Sport auf Bundesebene angesiedelt ist. In den Jahren 2021 und 2022 hat Rheinland-Pfalz den Vorsitz inne. Innen- und Sportminister Roger Lewentz leitet die Sitzungen.