BYC-News-Serie Teil 3 | Als der Pressesprecher der Polizei Mainz, Rinaldo Roberto, vor Ort im Ahrtal war, um dort im Krisenstab mitzuarbeiten, hat er einiges erlebt. Er war auch direkt in Bad Neuenahr, wo er Dinge erlebte, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind. BYC-News sprach mit ihm darüber.



Ein Mann, der Frau und Kind verlor

So wie vermutlich alle Einsatzkräfte, die im Krisengebiet helfen, hat auch Rinaldo Roberto Eindrücke gesammelt, die ihm im Gedächtnis geblieben sind. Vor Ort hat er mit zahlreichen Betroffenen, Einsatzkräften und Helfern gesprochen. Jeder von ihnen hatte seine eigene Geschichte. Roberto erzählt von zwei, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind:

„Ich habe mich im Krisengebiet mit einer Kollegin von der Feuerwehr unterhalten, die am Morgen nach der Flut am Notruf saß. Ihr Mann, ebenfalls Feuerwehrmann, hatte in der Katastrophennacht einen Notruf entgegengenommen von einer Frau, die sich während der Flut mit ihrem Kind auf einen Baum gerettet hatte. Sie konnte leider ihren Standort nicht genau benennen, weshalb man sie in der Nacht nicht fand.

Am Morgen nach der Flut nahm die Kollegin mit der ich gesprochen hatte dann einen weiteren Notruf entgegen. Die Anruferin, eine andere Frau, sagte ihr, dass ein Mann mit einem Kind vor ihrem Haus auf einem Baum sitze. Sie selbst könne nicht helfen, da das Wasser zu hoch sei und sie nicht zu ihnen käme. Die Baumkrone sei sehr dicht, sodass man die beiden von oben nicht direkt sehen könne. Den Mann und das Kind konnte man glücklicherweise schließlich trotzdem ausfindig machen und retten.

Im Anschluss stellte sich heraus, dass der Mann und die Frau auf den beiden Bäumen zusammengehört hatten und sich die beiden jeweils mit einem Kind in Sicherheit bringen wollten. Die Frau wurde jedoch gemeinsam mit ihrem Kind von den enormen Wassermassen mitgerissen. Der Mann hat in dieser Nacht also seine Frau und ein Kind verloren. Ich habe selbst früher Notrufe entgegengenommen, und weiß wie dramatisch so etwas sein kann, wenn man im Nachgang solche Dinge mitbekommt und wie sich eine Hilflosigkeit auch bei den Rettern breit machen kann.“, berichtet Rinaldo Roberto.

Mit kleinen Dingen helfen

Er berichtet auch von einer Frau, die ihm stark im Gedächtnis blieb: „Als wir in Bad Neuenahr waren, kam eine Frau auf uns zugelaufen. Sie hatte wohl die Rolle des Familienoberhauptes übernommen und drückte uns einen Zettel in die Hand. Darauf standen einige Medikamente. Sie erklärte uns, dass sie diese dringend für ihr Kind und ihren Mann benötige, da ihre Vorräte, die nach der Flut übrigblieben, aufgebraucht waren. Um der Frau zu helfen haben wir per Funk den Bedarf mitgeteilt. Noch am gleichen Abend hatte die Frau alle benötigten Medikamente erhalten.

Die Menschen haben in der Flut so viel verloren. Es ist wichtig zu wissen, dass man den Menschen oft auch schon mit Kleinigkeiten oder einfachem zuhören helfen kann und mit einem Lächeln belohnt wird. Manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die einem im Gedächtnis bleiben.“

Weitere Teile der BYC-News Serie

BYC-News hat in dem Interview mit Rinaldo Roberto noch über weitere Themen gesprochen, die seinen Einsatz im Ahrtal betreffen.

Teil 2: Rinaldo Roberto: „Die Eindrücke aus dem Ahrtal wird man nie wieder los“

Teil 3: Rinaldo Roberto: „Die Schicksale aus dem Ahrtal bleiben im Gedächtnis“