Mainz: Inmitten der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und der anhaltenden Herausforderungen für die Gastronomie- und Hotelbranche steht eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung auf Speisen in Restaurants bevor. Die Maßnahme, die zum Jahreswechsel in Kraft treten soll und die Steuersätze von derzeit 7 Prozent auf 19 Prozent anheben würde, sorgt für große Besorgnis in der Branche.

Hotel- und Gaststättenverband Dehoga warnt vor einer drohenden Welle von Geschäftsaufgaben

Die Gastronomie- und Hotelbranche, die bereits von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie stark betroffen war, sieht sich nun mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Die Bundesregierung hatte die Umsatzsteuer auf Speisen im Zuge der Coronapandemie von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Die Regelung wurde dann vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und stark gestiegener Energiepreise nochmals bis Ende 2023 verlängert, würde aber nach jetzigem Stand dann auslaufen. Die geplante Mehrwertsteuererhöhung auf Speisen in Restaurants, die zum Jahreswechsel in Kraft treten soll und die Steuersätze von derzeit 7 Prozent auf 19 Prozent anheben würde, hat in der Branche große Besorgnis ausgelöst.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga warnt vor einer drohenden Welle von Geschäftsaufgaben, sollten die reduzierten Mehrwertsteuersätze für Speisen in Restaurants tatsächlich wieder auf das normale Niveau angehoben werden. Experten befürchten, dass Massenschließungen von gastronomischen Betrieben die sozialen und gesellschaftlichen Treffpunkte in Gefahr bringen könnten.

Malte Budde, der General Manager des Hyatt Regency in Mainz, der zugleich auch Vorsitzender des Tourismusfonds Mainz e.V. ist, im Interview mit Meikel Dachs von BYC-News.

„Nach den verheerenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der vorübergehenden Stilllegung ganzer Branchen“, so Budde, „könnte nun die nächste Bombe in Form dieser Mehrwertsteuererhöhung platzen. Wenn diese Erhöhung in Kraft tritt und die Umsätze um 12 Prozent verringert werden, werden viele Unternehmen in der Branche vor erheblichen Herausforderungen stehen.“

Budde wies auch auf die jüngsten Gehaltsanpassungen in der Branche hin. „Wir haben bereits 2022 die Gehälter deutlich erhöht und gehen 2024 einen weiteren Schritt. Dies führt insgesamt zu einer Erhöhung des Einstiegsgehalts um etwa 900 Euro brutto für die ausgebildeten Fachkräfte in der Gastronomiebranche, was etwa 50 Prozentpunkten entspricht. Dies wurde in Abstimmung mit den Gewerkschaften beschlossen. Nun steht jedoch die Diskussion über eine weitere Erhöhung im Jahr 2025 an, mit einem Einstiegsgehalt von 3000 Euro nach einer Ausbildung. Derzeit liegt das Einstiegsgehalt nach einer Ausbildung bei etwa 2700 Euro bis April 2024.“

„Darüber hinaus wurde vereinbart, dass Absolventen nach ihrer Ausbildung eine Übernahmegarantie in der Hotelgastronomie erhalten, was bedeutet, dass sie nach ihrer Ausbildung im Betrieb zu dem genannten Einstiegsgehalt plus Trinkgeld übernommen werden. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert nun das besagte Gehalt von 3000 Euro plus Trinkgeld, was meiner Meinung nach der richtige Weg ist, um die Branche attraktiver zu gestalten. Doch die geplante Mehrwertsteuererhöhung trifft uns dann umso härter, da wir uns auf die Zusicherung von Bundeskanzler Olaf Scholz verlassen hatten, dass sie nicht kommen würde. Wir hatten darauf gebaut, dass wir etwas mehr Luft haben aufgrund der 7 Prozent Mehrwertsteuer.“

Für das Hyatt Regency Mainz würde das in etwa 1 Million weniger bedeuten

„Nach sorgfältiger Berechnung basierend auf unseren aktuellen Umsatzzahlen würde die geplante Mehrwertsteuererhöhung in Kombination mit den Gehaltsanpassungen voraussichtlich zu einem Einnahmeverlust von etwa 1 Million Euro führen. Das hätte zur Folge, dass wir unsere Preise um etwa 20 Prozent erhöhen müssten. Das würde bedeuten, dass der Preis für ein Bier in unserer Gastronomie im nächsten Jahr bei etwa 8,- Euro läge. Dies entspräche dem Preisniveau von Städten wie London oder Paris zum derzeitigen Zeitpunkt. Diese Aussicht wirft die Frage auf, ob die Erhöhung der Mehrwertsteuer notwendig ist und ob unsere Gäste bereit sind, diese zusätzlichen Kosten zu tragen. Ich betrachte diese Situation äußerst kritisch und bin besorgt über die potenziellen Auswirkungen für ländliche bzw. kleinere Gastronomie Betriebe, einschließlich möglicher Schließungen.“

Die geplante Mehrwertsteuererhöhung auf Speisen in Restaurants bleibt also ein umstrittenes Thema, das sowohl für die Betreiber als auch für die Gäste erhebliche Auswirkungen haben könnte. Die Branche hofft auf eine Überprüfung dieser Maßnahme, um die wirtschaftliche Erholung nach den Herausforderungen der letzten Jahre nicht weiter zu gefährden. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums verliert der Staat durch die Steuersenkung pro Jahr rund 3,4 Milliarden Euro an Einnahmen. Mit Blick auf die Debatte über eine Verlängerung hatte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums darauf hingewiesen, dass es sich um eine befristete „Maßnahme der Krisenabwehr“ handelte.

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