Am Mittwoch (7. Dezember 2022) stellte Marianne Grosse, Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur der Landeshauptstadt Mainz im Rahmen eines Pressegespräches die Planungen der Stadtverwaltung für die Zukunft des Kinos in Mainz und insbesondere des Kino-Standorts Hintere Bleiche vor und gab Einblicke in die laufenden Prozesse.

Der aktuelle Stand stellt sich nach intensiven Gesprächen zwischen allen Beteiligten in den vergangenen Monaten wie folgt dar:

Am jetzigen Standort des Kinos Palatin in der Hinteren Bleiche wird von einem privaten Bauherrn ein Neubau realisiert werden, in dem weiterhin ein Kinobetrieb vorgesehen ist. Um dies zukunftssicher zu gewährleisten, wird die Landeshauptstadt Mainz dieses Kino – nach Zustimmung der zuständigen politischen Gremien – als Kulturort anmieten und an professionelle Betreiber:innen untervermieten. Ziel ist es dabei, einen Kinostandort zu entwickeln, der mit seinem Ambiente und seinem Programm eine Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus entwickelt.

Für den Betrieb des Kinos wird die Landeshauptstadt Mainz zu gegebener Zeit einen Bewerbungsaufruf veröffentlichen, auf den sich alle Interessierten bewerben können – eine solche öffentliche Ausschreibung ist klare rechtliche Verpflichtung für Kommunen in allen vergleichbaren Fragen. Diese unumstößliche Voraussetzung für die Verwendung von Steuergeldern war daher von Beginn an eine der Grundlagen für alle Überlegungen und Gespräche mit den Beteiligten.

Anhand der eingereichten Bewerbungen wird dann eine Fachjury, bestehend insbesondere aus Experten des Bereiches Kino, eine Entscheidung treffen. Wegweisend werden dabei die eingereichten inhaltlichen Konzepte sein. Dies gewährleistet, dass allen Interessierten, die ein qualifiziertes Konzept einreichen möchten, die Möglichkeit zur Bewerbung generell offen steht – worauf die Stadtverwaltung in den Überlegungen stets großen Wert gelegt hat. Die Stadtverwaltung geht demnach davon aus, dass Konzepte sowohl von erfahrenen Kino-Betreibern eingereicht werden, als auch aus anderen Bereichen, z. B. der jungen Filmszene – oder z. B. in einer Kombination von Beidem.

Zum Hintergrund der Planungen und bisherigen Gespräche:

Ende August 2021 fand ein erstes Gespräch mit den Betreibern von Capitol & Palatin statt, als sich ein Eigentümerwechsel für das Gebäude in der Hinteren Bleiche abzeichnete und damit die Zukunft des Palatins in Frage stand. Die Kino-Betreiber waren daher auf das Kulturdezernat zugekommen, auch wenn es sich bei dem betreffenden Gebäude nicht um Eigentum der Landeshauptstadt Mainz handelt und sich die Liegenschaft in privatem Eigentum befindet. Seither hatte das Thema eine sehr hohe Priorität in der Arbeit der Kulturverwaltung.

Inzwischen wurde erreicht, dass der neue Eigentümer, das Mainzer Unternehmen Fischer & Co., sich mit den jetzigen Betreibern von Capitol & Palatin zuerst darauf einigte, den Pachtvertrag zu verlängern, um den Fortbestand des Kinos bis zu etwaigen Baumaßnahmen zu sichern. Danach hatten sich Fischer & Co. zudem dazu bereit erklärt, im Neubau nicht nur ein Kino zu errichten, sondern ebenfalls weiterhin auch Räume für das „Alexander the Great“ im Untergeschoss vorzusehen.

Die Landeshauptstadt Mainz ist nicht Bauherrin, sondern lediglich zukünftige Mieterin

Damit steht nun fest: Der private Eigentümer wird ein Kino errichten und die Landeshauptstadt Mainz wird – die Zustimmung der politischen Gremien vorausgesetzt – diese Räume dauerhaft anmieten. Die räumliche Planung und die finale Ausstattung des Kinos liegt dabei jedoch vollständig beim privaten Vorhabenträger. Die Landeshauptstadt Mainz ist nicht Bauherrin, sondern lediglich zukünftige Mieterin.

Die Kosten für die Ausstattung eines Kinos schätzt der Vorhabenträger nach eigener Aussage auf rund zwei Millionen Euro, was letztlich auch über den Mietzins für die Stadtverwaltung refinanziert werden wird. Dies ist zwar ein sehr hoher, aber nachhaltig sinnvoller finanzieller Aufwand für die Landeshauptstadt Mainz, zumal ein langfristiger Zeitraum für die Anmietung mit einer Mietdauer z. B. über 20 Jahre angestrebt wird.
Der Vorhabenträger hat dem Bau- und Kulturdezernat mitgeteilt, dass er beabsichtigt, den entsprechenden Bauantrag im kommenden Jahr einzureichen. Er hat dabei ausdrücklich betont, dass in die Planungen die fachliche Expertise von ausgewiesenen Kinospezialisten bis heute einfließt.

Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse betont ausdrücklich:

„Die räumliche Umsetzung eines Kinos ist aus bauplanungsrechtlichen und bauordnungsrechtlichen Gesichtspunkten an diesem Standort mehr als komplex. Wir haben daher viele Gespräche mit den Beteiligten aber auch verwaltungsintern geführt, um festzustellen, was letztendlich am Standort realisierbar ist und von welcher umbauten Fläche wir überhaupt ausgehen können.“

Marianne Grosse erläuterte, dass die Stadtverwaltung vor dem Hintergrund der noch nicht feststehenden räumlichen Möglichkeiten am Standort seit Aufnahme der Gespräche mit Capitol & Palatin ebenfalls in einem sehr engen und konstruktiven Austausch mit der AG Stadtkino stehe, die als Verein das kommunale Kino CinéMayence betreibt. Darüber hinaus sei das Bau- und Kulturdezernat auch zur räumlichen Zukunft des kommunalen Kinos im Dialog mit weiteren Investoren, um neben dem Standort Hintere Bleiche und dem Capitol bestenfalls sogar noch einen weiteren neuen Kinostandort in Mainz zu schaffen.

Die Planungen für den Kino-Standort Hintere Bleiche sind Teil einer seit einigen Jahren intensivierten Arbeit der Stadtverwaltung im Bereich Kino und Film. Diese ist aus dem Kulturentwicklungsprozess heraus entstanden und wurde in mehreren Schritten bereits auf den Weg gebracht, beispielsweise durch die Erhöhung der institutionellen Förderung für den FILMZ e. V. und das gleichnamige Festival und die Erweiterung der projektgebundenen Förderungen für Film-Projekte, insbesondere für Nachwuchs-Filmemacher:innen an den beiden Mainzer Hochschulen.

Auch hat die Landeshauptstadt Mainz gleich zwei neue Kulturpreise im Bereich Film eingeführt:

Den „Sonderpreis der Landeshauptstadt Mainz bei FILMZ“, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde, und den „Film-Förderpreis“ der Landeshauptstadt Mainz, der gerade gemeinsam mit lokalen Fachleuten aus der Sparte entwickelt wird und der zukünftig alle zwei Jahre vergeben werden soll.

Zugleich hat die Verwaltung ab dem kommenden Doppelhaushalt 2023/24 eine Vollzeitstelle als Projektleitung „Film“ beantragt, damit diese Aspekte sowie weitere neue Projekte und Aufgaben innerhalb der Verwaltung bestmöglich betreut werden können.

Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der Planungen für den Kino-Standort Hintere Bleiche wird das Dezernat für Bauen, Denkmalpflege und Kultur auch weiterhin einen konstruktiven Austausch ermöglichen, sowohl mit dem neuen Eigentümer als auch mit den jetzigen Betreibern von Capitol & Palatin, dem alle Beteiligten bereits zugestimmt haben.