Für Menschen mit Behinderung ist der Alltag nicht immer alleine zu bewältigen. Ob persönliche Assistenz, Behindertenausweis oder Jobsuche – die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB) unterstützt Ratsuchende bei Fragen zu einem selbstbestimmten Leben. Die Beratungen finden ab sofort wieder wöchentlich statt.

Die Sozialpädagogin Stefanie Geiser berät jeden Montag von 10 bis 15 Uhr im Gebäude des Jobcenters Mainz-Bingen (Zimmer 151), Konrad-Adenauer-Straße 3, in Ingelheim. Das Angebot ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Stefanie Geiser ist Teil des Vereins „Rhein-Main inklusiv“ (RMi). Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung hat diesen gegründet. Unter dem Dach der „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB) bietet der Verein, wie auch andere Organisationen, Beratungen an. Ziel dieser Beratungen ist es, die Inklusion durch Angebote in den Bereichen Arbeit, Bildung und Freizeit voranzutreiben. Bei RMi steht insbesondere die persönliche Assistenz als Alternative zu herkömmlichen Betreuungsformen, wie etwa vollstationären Einrichtungen, im Mittelpunkt. Menschen mit Behinderung sollen selbstbestimmt am Leben in unserer Gesellschaft teilhaben.

„Wir freuen uns sehr, dass die Beratungen wieder stattfinden können“, sagt die Kreisbeigeordnete Almut Schultheiß-Lehn. „Da Menschen mit Behinderung die Beratungen der EUTB anbieten, bringen sie ihre eigenen Lebenserfahrungen und Sichtweisen mit ein. Daher leistet dieses Angebot einen besonderen Beitrag, um Inklusion und Teilhabe im Landkreis zu fördern.“ Die Beratungen in Kooperation mit RMi fanden erstmalig 2018 in der Kreisverwaltung statt. Nach einer pandemiebedingten Pause hat Stefanie Geiser das Beratungsangebot nun erneut aufgenommen. Die Behindertenbeauftragte des Kreises, Yvonne Bless, hatte sich für den erneuten Start der Teilhabeberatung eingesetzt.

Die Anliegen der Ratsuchenden sind vielfältig

Wie beantragt man einen Behindertenausweis? Was beinhalten der Behindertenausweis und die Wertmarken für Bus und Bahn? Weitere allgegenwärtige Themen sind persönliche Assistenz, finanzielle Angelegenheiten sowie die Arbeitssuche. Die EUTB arbeitet eng mit dem Jobcenter zusammen und erleichtert die Vermittlung. Darüber hinaus ist sie auch mit weiteren Leistungsträgern und Institutionen in Ingelheim und Mainz gut vernetzt, zum Beispiel mit der Eingliederungshilfe. Grundsätzlich unterstützt die EUTB in allen Aspekten, bei denen es um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen geht. Oft kommen die Betroffenen selbst nicht weiter und wenden sich dann an die EUTB.

Die Beratung folgt dem Ansatz des sogenannten Peer Counseling: Betroffene beraten Betroffene, die in einer ähnlichen Lebenssituation stehen. Dabei spielen die persönlichen Lebenserfahrungen, die die Beraterin aufgrund der eigenen Behinderung gemacht hat, eine wesentliche Rolle. Auch Stefanie Geiser lebt mit einer persönlichen Assistenz und organisiert diese im Arbeitgebermodell. Der Verein RMi fördert hierbei, dass Menschen mit Assistenzbedarf ihre Helferinnen und Helfer selbst anstellen, für die nötige Einarbeitung sorgen und auch einen Großteil der Verwaltungsarbeiten eigenständig leisten. Um die Aufwendungen für den persönlichen Hilfebedarf zu decken, kann ein entsprechender Antrag beim Leistungsträger gestellt werden. Beteiligte Leistungsträger sind unter anderem Krankenkasse, Rentenversicherung oder Integrationsamt, die auch unterschiedliche Teilhabe- und Rehabilitationsleistungen in einem Budget erbringen können.