Im Jahr 1928 wurde die Opel-Brücke zwischen Rüsselsheim und Flörsheim fertiggestellt. Dies war eine große Veränderung für das Mainvorland. Zuvor waren die beiden Ortschaften – jeweils am anderen Ufer des Mains gelegen – nur durch eine Fähre verbunden. Die Eisenbahnlinie, die Opelfabrik und die Opel-Brücke wurden alle zwischen dem späten 19. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert erbaut und veränderten die Gegend wirtschaftlich, gesellschaftlich und verkehrstechnisch.

Opel in Rüsselsheim

Adam Opel (1837-1895) zog nach seiner Ausbildung als Schlosserlehrling und nach seinen Wanderjahren in Belgien, England und Paris in seine Heimatstadt Rüsselsheim, um dort eine Nähmaschinenfabrik zu gründen. Er erbaute diese direkt an der neuen Bahnlinie, welche 1863 gelegt wurde. In den 1880er Jahren produzierte er dort nicht Nähmaschinen, damals schon 18.000 Maschinen jährlich, sondern auch Fahrräder. Nach seinem Tod 1895 übernahm seine Frau Sophie und seine Söhne das Unternehmen. Kurz darauf, im Jahr 1899, wurde der erste Opel „Motorenwagen“ in Rüsselsheim gebaut. Das Unternehmen Opel hatte schließlich eine enorme Wichtigkeit für die Rüsselsheimer Bevölkerung: Schon im Jahr 1912 arbeiteten 6000 Leute in der Opel-Fabrik. Die Opelbrücke wurde schließlich unter anderem deshalb errichtet, um die Fahrzeiten der Arbeiterschaft zum Fabrikgelände zu verkürzen.

Der Bau der Brücke 1927/1928

Foto aus dem Jahr 1928 | Quelle: https://www.xn--flrsheim-1656-jmb.de/

Opel plante schon länger, die beiden Flussufer durch einen Steg oder eine Brücke zu verbinden. Schon 1905 wurde über die Pläne der Konstruktion bei Opel gesprochen. Der Erste Weltkrieg setzte diesen Projekten jedoch ein Ende und erst 1926 berief der Bürgermeister von Rüsselsheim eine Brückenbaukommission. Opel investierten schließlich 250’000 Reichsmark in den Bau der Brücke – die restlichen 500’000 Reichsmark wurden von den Preußen und den Hessen übernommen.

In den Jahren 1927 und 1928 wurde die Opelbrücke zwischen Flörsheim und Rüsselsheim gebaut. Es war die erste Brückenverbindung zwischen den zwei Flussufern, die zuvor durch eine Fähre verbunden waren. Bei der Eröffnung der Brücke waren bekannte Persönlichkeiten aus der Gegend anwesend; es war ein Großereignis für beide Seiten des Flusses. Neben dem Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel war auch der Hessische Staatspräsident Bernhard Adelung und der Oberpräsident von Kassel, Dr. Schwander und der Kreisdirektor a.D. Geheimrat Dr. Wallau anwesend. Die MAN Gustavsburg war das Hauptunternehmen, das am Bau der Brücke beteiligt war. Die Brücke wurde in nur zehn Wochen von nur 20 bis 30 Arbeitern errichtet.

Vereint durch die Opelbrücke

Die Brücke diente nicht nur zur Verbindung der beiden Ortschaften und zum erleichterten Erreichen der Opelbauwerke, sondern wurde als Symbol des friedlichen Verkehrs gesehen und als eine Chance zu neuem Wohlstand für beide Seiten. Zuvor war das Verhältnis der Hessen und der Preußen auf den beiden Flussseiten von einer gewissen Rivalität geprägt.

1945 wurde die Brücke von Nationalsozialisten gesprengt, um den Angriff der Amerikaner zu behindern. Der Schaden blieb jedoch nicht lange und die Brücke wurde nach Kriegsende schnell repariert. Im Jahr 1979 wurde die alte Opel-Brücke durch eine neue ersetzt, die ein wenig weiter flussaufwärts und mehrspurig gebaut wurde.

Die Opelbrücke ist aus verschiedenen Gründen historisch von großer Bedeutung für Rüsselsheim und Flörsheim. Ökonomisch diente sie dem Opel-Unternehmen, welches zu dieser Zeit viele Leute in der Gegend beschäftigte, politisch half sie den beiden Gemeinden zusammenzufinden und gewisse Rivalitäten beiseite zu legen. Insgesamt hat die Brücke die Verkehrssituation verbessert und den Kreis Groß-Gerau näher an den Main-Taunus-Kreis gebracht.