Die schlechten Nachrichten rund um den Autobauer Opel nehmen kein Ende. Das Opel-Management kündigt nun am Mittwoch (27. Oktober 2021) für das Stammwerk Rüsselsheim überraschend eine Komplettschließung des Werkzeugbaus mit rund 260 Beschäftigten zum Jahresende an.


Der Betriebsrat spricht von Vertragsbruch

Ursprünglich hatte Opel noch vor vier Monaten angekündigt, rund 160 Stellen in der Abteilung erhalten zu wollen. Jetzt hatte der Autobauer jedoch angekündigt, diese komplett zu schließen. Der Betriebsrat sprach deshalb in einem Flugblatt an die Belegschaft von einem Vertragsbruch. Zudem würden erneut Investitionszusagen aus dem mit der IG Metall abgeschlossenen Zukunftstarifvertrag nicht befolgt, heißt es weiter in dem Flugblatt.

Opel will die Beschäftigten zum Verlassen des Unternehmens bewegen

Seit der Übernahme im August 2017 durch PSA wurden Tausende Arbeitsplätze abgebaut. Dabei sind betriebsbedingte Kündigungen noch bis zum Sommer 2025 ausgeschlossen. Deshalb will Opel auch in diesem Fall die Beschäftigen im Rahmen der Vereinbarungen mit der Gewerkschaft zum freiwilligen Verlassen des Unternehmens bewegen.

Opel habe alle zumutbaren Maßnahmen unternommen, um die Auslastung und den Personalbedarf beim Werkzeugbau in einer angemessenen Balance zu halten, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Man werde nun noch weitere Gespräche mit dem Betriebsrat führen.

Die Belegschaft scheint von dem Vorhaben jedoch wenig überzeugt. Denn an allen Opel-Standorten sind an diesem Freitag (29. Oktober 2021) Proteste der Arbeitnehmer gegen den Plan von Stellantis angekündigt.

„Ein neuer Tiefpunkt“

Der Betriebsrat sprach auf dem internen Flugblatt von einem „neuen Tiefpunkt“. Die Arbeitnehmervertreter fordern laut Medieninformationen, dass die Schließungspläne über Bord geworfen werden und ein Ende der „permanenten und nie endenden Restrukturierung“. Opel hingegen betonte, dass das Unternehmen im Einklang mit den tariflichen Regelungen handele.

Hintergründe zu dem Vorhaben

Zu Beginn des Jahres 2020 hatte das Unternehmen mit Betriebsrat und Gewerkschaft die Vereinbarung getroffen, dass der Astra wieder in Rüsselsheim gebaut werden soll und der Kündigungsschutz bis Mitte 2025 zu verlängern. Dafür stimmte die Arbeitnehmervertretung zu, dass bis Ende 2021 deutschlandweit 2100 Stellen über Maßnahmen wie Vorruhestand oder Altersteilzeit abgebaut werden dürfen. Mit der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass sich für diese Maßnahmen nur zu wenig Freiwillige finden ließen. Aus diesem Grund hatte Opel den Druck in den Vergangenen Monaten erhöht.