Ein brutaler Angriff auf Polizeibeamte ereignete sich am Dienstagabend (26. Juli 2022) gegen 19:50 Uhr in der Dürkheimer Straße in Frankfurt am Main. Passanten waren den Polizisten zur Hilfe geeilt und hatten Schlimmeres verhindert.


Mehrere Tatverdächtige wurden angetroffen

In einem Lebensmittelmarkt in der Dürkheimer Straße war es zunächst zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe Jugendlicher und dem 51-jährigen Marktleiter des Geschäftes gekommen. In deren Verlauf wurde der Marktleiter aus der Gruppe heraus mit Pfefferspray besprüht und dadurch verletzt.

Eine daraufhin alarmierte Streife der Polizei Frankfurt traf vor Ort auf mehrere tatverdächtige Jugendliche. Diese missachteten zunächst die Anweisungen der Beamten, die ihre Personalien feststellen wollten. Anschließend widersetzte sich ein 19-Jähriger der polizeilichen Maßnahme, indem er die Hände des Polizisten, der ihn zum Streifenwagen führen wollte, wegschlug. Daraus entstand ein Handgemenge, in dessen Verlauf beide zu Boden stürzten. Dort fixierte der Beamte den 19-Jährigen und versuchte, ihm die Handfesseln anzulegen.

Aus der Menge der Umherstehenden heraus erfolgte unvermittelt ein Angriff von einer oder mehreren Personen auf den am Boden knienden Beamten. Er wurde von hinten beziehungsweise der Seite geschlagen und gegen den Kopf getreten. Dagegen schritten anwesende Passanten ein und hielten die Aggressoren von weiteren Angriffen ab und zogen zogen diese von dem Beamten weg. In der Folge gelang es mithilfe eines Zeugen, den mittlerweile wieder stehenden 19-jährigen Tatverdächtigen festzuhalten und ihn zu fesseln.

Auch der zweite Polizeibeamte wurde attackiert

Zeitgleich brachte der zweite Polizist einen weiteren renitenten Tatverdächtigen zu Boden und legte ihm die Handfesseln an. Plötzlich trat ein bis dato unbeteiligter junger Mann an eben diesen Beamten heran und besprühte ihn mit Reizgas. Diesen Moment nutzte der bereits Gefesselte, um zu entkommen. Später fanden die Einsatzkräfte die geöffneten Handfesseln im Rahmen der Fahndung in einem Gebüsch.


Überfallkommando stürmte die Wohnung der Tatverdächtigen

Anhand von Zeugenaussagen und den unverzüglich ausgewerteten Bodycam-Aufnahmen gelang es kurz darauf, einen weiteren Tatverdächtigen zu identifizieren. Bei ihm handelt es sich um den 18-jährigen Bruder des 19-jährigen Festgenommenen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand hatte er den Beamten geschlagen und getreten, der seinen Bruder festgenommen hatte. Auf Anordnung des Bereitschaftsstaatsanwalts durchsuchten Einsatzkräfte des Überfallkommandos die Wohnung der Brüder. Dabei trafen sie den 18-Jährigen an und nahmen auch ihn fest. Beide sind bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Sie wurden im Anschluss an die Maßnahmen aufgrund nicht ausreichender Haftgründe wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen, insbesondere zu den noch flüchtigen Tatverdächtigen, werden beim Haus des Jugendrechts geführt.

Die zwei eingesetzten Polizeibeamten waren aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht mehr dienstfähig. Ein Polizeibeamter musste zwecks gründlicher medizinischer Abklärung hinsichtlich möglicher Kopfverletzungen kurzzeitig in einem Krankenhaus untersucht werden.

Frankfurter Polizeipräsident, Stefan Müller dazu:

„Ich bin bestürzt über den gestrigen Angriff auf zwei unserer Schutzleute. Gewalttaten gegen Amtsträger, wie Polizisten, Rettungskräfte, Bedienstete öffentlicher Einrichtungen oder Kommunalpolitiker sind immer auch Angriffe auf den Rechtsstaat. Umso mehr freut es mich, dass Passanten gestern ein hohes Maß an Zivilcourage bewiesen, indem sie meinen Kollegen zur Hilfe eilten und somit mögliche weitere Attacken unterbanden. Dafür möchte ich den Helfern meinen aufrichtigen Dank aussprechen!“, betonte der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller am Mittwoch (27. Juli 2022)

„Ich habe mich heute beim Leiter des 16. Polizeireviers nach den beiden verletzten Beamten erkundigt. Es geht ihnen den Umständen entsprechend gut, allerdings fallen sie noch einige Tage aus. Ich wünsche ihnen an dieser Stelle eine schnelle und vollständige Genesung“, so Müller.

Zudem wurden zwei Streifenwagen beschädigt, indem bei einem der Außenspiegel und bei einem anderen ein Blaulicht demoliert wurden.