„Lebensraum mehrjährige Blühflächen“ können interessierte Bürgerinnen und Bürger auf neuen Schildern an verschiedenen Grünbereichen im Stadtgebiet lesen. „Die Stadt will alle dafür sensibilisieren, dass Kräuter- und Blumenwiesen eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Vögel sind und zu mehr Biodiversität beitragen. Mit den Schildern macht sie nicht nur ihre auswählten Wiesen kenntlich. Sie möchte auch die Bürgerinnen und Bürger zur Nachahmung animieren“, sagt Stadtrat Nils Kraft.


44 städtischen Kräuter- und Blumenwiesen

Mit Nutzung des aufgedruckten QR-Codes können Interessierte weitere nützliche Informationen zum Thema Grün in der Stadt abgerufen. Auf der Webseite erfahren sie unter anderem, wie sie Nistkästen bauen, eine Blumenwiese anlegen, oder welche einheimischen Blumen, Kräuter und Bäume sie pflanzen können.

Die bisher 44 städtischen Kräuter- und Blumenwiesen bilden seit dem Frühjahr immer mehr ein Blütenmeer und lösen die frühblühenden Zwiebelpflanzen als Nahrungsquelle für Insekten ab. Neu hinzugekommen seit diesem Frühjahr sind unter anderem eine Fläche am Horlachgraben auf Höhe der Tankstelle am Hessenring, ein Teil der Grünfläche an der Straße Im Grohfeld, und eine Fläche von zirka 1.200 Quadratmetern am Horlachgrabenbecken nördlich der Marie-Curie-Straße in Königstädten. Die Stadt hat Pflanzen ausgewählt, die mit einer möglichst langen Blüte ein dauerhaftes Angebot an Nektar und Pollen bieten. Meistens verwendet sie ein gemischtes Saatgut, das aus dem hiesigen Ursprungsgebiet stammt. Frisch eingesäte Wiesen brauchen etwas Zeit, bis sich die gewünschte Vielfalt der Pflanzen einstellt. Denn bei mehrjährigen Blühmischungen zeigen sich einige Blühten erst ab dem zweiten oder dritten Jahr.

Die Blühflächen sind nicht nur eine Nahrungsquelle

Sie bieten unter anderem Tagfaltern einen Lebensraum zur Eiablage und Sonnenplätze. Zum Beispiel sind verschiedene Kleearten wichtig für viele Bläulinge und Gelblinge. Oder auch die wilde Möhre bietet für den Schwalbenschwanz eine wichtige Nahrungsgrundlage. Zusätzlich finden in den Wiesen Kleintiere einen Unterschlupf. Um die Attraktivität für die Tierwelt zu steigern, ergänzt die Stadt die Blühflächen mit Nisthilfen, wie zum Beispiel Insektenhotels oder Totholzhaufen. So hat sie zum Beispiel am Horlachgraben, auf Höhe des Hessenrings eine Insektennisthilfe aufgestellt.

Die Stadt hat auch die Pflege verändert, um die Artenvielfalt zu fördern. Die Blühflächen werden nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht, wodurch mehr Pflanzen zur Blüte kommen können und möglichst lang Nahrung bieten. Diese sogenannte extensive Pflege, wie sie zum Beispiel bei der Blühfläche im Verna-Park mit einer jährlichen Mahd im Frühjahr durchgeführt wird, unterstützt die Tiere beim Überwintern. Über den Winter finden Insekten in der Wiese und dem Totholzhaufen Unterschlupf, und Vögel finden Nahrung.

Die Flächen haben Vorbildcharakter und sind gleichzeitig eine Ideensammlung für alle Interessierte

Die Stadt Rüsselsheim am Main wirkt dem Artensterben zusätzlich entgegen, in dem sie fast ganzjährig blühende Staudenmischen, ergänzt durch frühblühende Zwiebelpflanzen anpflanzt. Beispiele hierfür sind die im Frühjahr angelegte Staudenpflanzung vor dem Theater, oder auch die neu angelegten Flächen im Straßenbereich an der Ortseinfahrt Rugbyring und an der Bensheimer Straße.

„Die Flächen haben Vorbildcharakter und sind auch eine Ideensammlung für alle Interessierte. Sie zeigen, dass jeder bei der Grüngestaltung, nicht nur etwas für das Auge, sondern auch für die Biodiversität tun kann. Schon Bepflanzungen eines kleinen Gartens oder eines Balkons tragen schon dazu bei und sind für die innerstädtische Biotopvernetzung wichtig“, sagt Kraft abschließend.