Insgesamt 1 Milliarde Euro Corona-Pflegebonus will der Bund an Pflegekräfte auszahlen. Schon jetzt ist klar, dass mehr als die Hälfte der Pflegekräfte der Stiftung kreuznacher diakonie keinen staatlichen Bonus erhalten wird, was von dem Vorstand Ende Juli kritisiert wurde. Anfang August wies der SPD-Bundestagsabgeordnete für die Nahe-Region, Dr. Joe Weingarten den Vorwurf zurück. Nun hat sich die Mitarbeitervertretung der Stiftung Kreuznacher Diakonie in einer Stellungnahme direkt an Herr Weingarten gewandt.

Die Mitarbeitervertretung schreibt in ihrer Stellungnahme:

„Sehr geehrter Herr Dr. Weingarten, die von Ihnen am Sonntag, den 7. August 2022 in byc-news.de veröffentlichte Antwort auf die Stellungnahme des Vorstandes der Stiftung kreuznacher diakonie zu den Corona-Bonuszahlungen an Pflegekräfte ist ein Schlag ins Gesicht unserer Mitarbeitenden.

Auf Grund politisch willkürlich festgelegter Bedingungen, an welche die Prämien geknüpft sind, wird im Fall der Stiftung kreuznacher diakonie die Mehrheit der Mitarbeitenden trotz erheblichen Mehraufwandes und erhöhter Infektionsgefahr von den Zahlungen ausgeschlossen.

Paradebeispiel sind die an vorderster Front stehenden Kollegen und Kolleginnen in unseren Zentrale Notaufnahmen der Krankenhäuser. Diese Kollegen und Kolleginnen müssen mitunter den größten Schutzaufwand betreiben und sich tagtäglich einer absolut hohen Infektionsgefahr aussetzen. Sie erhalten aber keine Prämie, da sie nicht zu den bettenführenden Abteilungen zählen“

Mitarbeiter setzen sich einem hohen Risiko aus

Weiter heißt es: „Auch unsere Kollegen und Kolleginnen der Kinder und Familienhilfe, der Wohnungslosenhilfe, der Seniorenhilfe und des Geschäftsfeldes Leben mit Behinderung stehen seit zwei Jahren unter immensem Druck. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen sie ihre Klienten/Bewohner vor einer Corona-Infektion zu schützen und setzen sich täglich den Gefahren einer Infektion aus, da die Bewohner, ob positiv getestet oder nicht, gepflegt und betreut werden müssen. Dies ist häufig nur mit engem Körperkontakt möglich ist“

„Wie bitte soll ein sozialer Träger unter diesen Bedingungen freiwillige Zahlungen leisten können?“

„Ihr Hinweis auf die Steuerfreiheit von freiwilligen trägerseitigen Bonuszahlungen ist nicht nur für all unsere Mitarbeitenden, sondern auch für den Träger selbst eine Missachtung der allseits bekannten Tatsache knapper Kassen.

Wie Sie wissen, stellt die chronische Unterfinanzierung im Krankenhauswesen und den anderen sozialen Bereichen eine politisch forcierte Reduzierung der Krankenhaus-Bettenzahlen und der Betreuungsplätze in der sozialen Landschaft dar. 59% der Kliniken in Deutschland erwarten eine negative Jahresbilanz. Einem Investitionsbedarf der deutschen Kliniken in Höhe von mehr als 6 Milliarden Euro steht noch nicht einmal die Hälfte als tatsächliche Investitionsförderung gegenüber. Wie bitte soll ein sozialer Träger unter diesen Bedingungen freiwillige Zahlungen leisten können?

Wir laden Sie im Namen aller Mitarbeitenden der kreuznacher diakonie gerne zu einem persönliche Austausch ein, um unsere unterschiedliche Sicht der Dinge in einem offenen Gespräch zu diskutieren“, schreibt die Mitarbeitervertretung abschließend.