Ein für die Menschen in der Region Rheinhessen wichtiges Projekt ist angestoßen: Im Stadtteil Heidesheim soll ein gemeinschaftliches Quartier entstehen, in dem Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf gut leben können. Dafür hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim (WBI) vom Land nun ein Grundstück erworben.

Günstige Mieten durch Förderungen

Den Kaufvertrag mit dem Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB) unterzeichnete sie am 27. Mai. 2021. 200 moderne Wohnungen soll das neue, inklusive Quartier auf 5,23 Hektar bieten. Mindestens 30 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert, so dass der Mietpreis entsprechend günstig wird. „Damit kommen wir unserem Auftrag nach, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen – eine unserer wichtigsten Aufgaben“, erklärt Franz Göbel, Geschäftsführer der WBI.

Gut 7,7 Millionen Euro hat die WBI für den 3,68 Hektar großen Grundstücksanteil bezahlt, auf dem sich auch denkmalgeschützte Backsteinbauten befinden. Diese sollen saniert werden. „Das kann ein interessanter Mix aus Alt und Neu werden“, freut sich Göbel: „Wir planen ein lebendiges, attraktives Quartier, das ein Gewinn für alle ist, die dort leben.“

Bürger sollen beteiligt werden

Geplant ist auch, die Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen und nach ihren Ideen und Bedarfen zu fragen. Auf dem großen Gelände ist seit 1984 das Evangelische Diakoniewerk Zoar ansässig. Die WBI wird bei der Quartiersentwicklung eng mit Zoar zusammenarbeiten. „Wir wollen Wohnen für Jedermann bieten“, kündigt Martina Leib-Herr, Vorstand des Diakoniewerks, an. Begeistert wirft sie einen Blick in die Zukunft des Quartiers: Junge und alte Menschen, Familien, Singles, Studenten, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung können im Quartier zusammenleben; die Kinder besuchen die Zoar-Kindertagesstätte.



Selbstständiges Wohnen, auch bei Pflegebedürftigkeit

Die Voraussetzungen für selbstständiges Wohnen, auch bei Pflegebedürftigkeit und mit Assistenzbedarf, sind erfüllt. Dazu zählen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, im Wohnumfeld und in der Wohnung, wohnortnahe Versorgung, haushaltsnahe Dienstleistungen, ambulante Pflege und Quartiersmanagement zum Aufbau sozialer Netze. „So entsteht ein gemeinschaftliches Quartier, das den Menschen in allen Lebensabschnitten gerecht wird und eine gute Nachbarschaft ermöglicht“, erklärt Leib-Herr.

„Für diesen zukunftsweisenden Vertragsabschluss haben alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang gezogen“, berichtet Dr. Petra Wriedt, stellvertretende Geschäftsführerin des Landesbetriebs LBB, der den Grundstückstransfer gemanagt hat. Beim Kaufpreis hat der Landesbetrieb einen Nachlass abgezogen, der laut Landeshaushaltsgesetz bei der Schaffung von 30 Prozent Wohnraum in der Sozialen Wohnraumförderung gewährt wird. „Wir wünschen WBI und Zoar viel Erfolg bei der Entwicklung des inklusiven Quartiersprojekts und freuen uns, dass wir zu seinem Zustandekommen beitragen konnten.“

Heidesheimer Ortsvorsteherin, Dr. Silvia Klengel dazu

Auch die Heidesheimer Ortsvorsteherin, Dr. Silvia Klengel, begrüßt das Vorhaben: Aus dem geschichtsträchtigen, teils mit einer unrühmlichen Vergangenheit belegten Areal werde ein lebendiges und vielschichtiges Wohnquartier entstehen. Die Entwicklung des Quartiers, das an ein Naturschutzgebiet angrenzt, setze Sensibilität voraus – auch, weil es als Eintrittstor nach Heidesheim einladend gestaltet sein solle. „Im gesamten Gebiet wird auch geförderter Wohnraum entstehen“, so Klengel, „das ist angesichts der sich entwickelnden Mietpreisspirale eine wichtige Entscheidung.“

Dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum eine der dringlichsten Aufgaben und eine große Herausforderung ist, betont Oberbürgermeister Ralf Claus. „Hierfür leistet das Grundstück einen wichtigen Beitrag“, sagt das Ingelheimer Stadtoberhaupt „Dass gerade bei dieser Quartiersentwicklung neue Wohnformen umgesetzt und dank der vorhandenen Angebote von Zoar auch Wohnraum für Menschen mit Unterstützungsbedarf entstehen können, ist ein Glücksfall.