Im Herbst 2020 verkündete der Spezialglashersteller SCHOTT bis 2030 klimaneutral in seiner Produktion werden zu wollen (Scope 1& 2 GHG-Protokoll). In einem vierteiligen Aktionsplan spielt der Technologiewandel eine zentrale Rolle. Nun erhielt das Unternehmen Fördermittel in Höhe von rund 14,8 Millionen Euro für den Aufbau einer ersten großindustriellen Pilotanlage. In dem Pionierprojekt soll Pharmaglas weitestgehend ohne Treibhausgasemissionen hergestellt werden. Die Pilotanlage stellt einen technologischen Meilenstein für die Spezialglasindustrie dar.

Die Glasindustrie gehört zu den energieintensiven Industriebranchen in Deutschland

Bei der Produktion entstehen hohe CO2-Emissionen. Der größte Anteil des Energiebedarfs entsteht dabei beim Schmelzprozess. In feuerfesten Schmelzwannen werden die Glasrohstoffe bei Temperaturen von bis zu 1.700 Grad Celsius aufgeschmolzen. Die Glasschmelze ist ein hochkomplexer Prozess. Daher ist die Entwicklung neuer Technologien mit großen Herausforderungen verbunden.

Der Technologiekonzern SCHOTT stellt sich dieser Aufgabe und will seine energieintensiven Prozesse Schritt für Schritt dekarbonisieren. Das Unternehmen erforscht hier innovative Wege, um Glas mit Grünstrom und grünem Wasserstoff zu schmelzen.

Pionierarbeit für die gesamte Glasindustrie

Nun demonstriert der Konzern mit dem Aufbau einer Pilotanlage im industriellen Maßstab die technische Machbarkeit einer CO2-armen Herstellung von Spezialglas für die Pharmaindustrie. In den vergangenen zwei Jahren leisteten die Experten von SCHOTT Grundlagenarbeit in verschiedenen Forschungsprojekten. Jetzt geht das Unternehmen den nächsten Schritt: Die Forschungsergebnisse werden in einem innovativen Anlagenkonzept großtechnisch erprobt. Die Pilotanlage ist Pionierarbeit für die Spezialglasindustrie.

„Unsere technologische Transformation ist eine Mammutaufgabe. Sie erfordert einen massiven Umbruch in der Glasproduktion mit zum Teil bahnbrechenden Innovationen.

Wir selbst investieren hier stark, um unser ambitioniertes Klimaziel zu erreichen“, erklärte Dr. Frank Heinricht, Vorsitzender des Vorstandes der SCHOTT AG. „Solche Kraftakte können nur mit der Hilfe staatlicher Forschungsförderung gelingen. Die bewilligten Fördermittel helfen uns solche technischen Innovationen in Deutschland voranzutreiben.“

Pilotanlage und Millioneninvestition im bayrischen Mitterteich

In das Projekt „PROSPECT Pilot“ fließen rund 40 Millionen Euro für den Bau und Einsatz der neuen Glasschmelzwanne. Diese wird im bayrischen Mitterteich errichtet.

Projektzeitraum sind die kommenden drei Jahre. Die Pilotanlage wird vornehmlich mit Grünstrom betrieben. Die Treibhausgasemissionen werden um etwa 80 Prozent gegenüber der derzeitigen Technologie reduziert.

„Für die energieintensive Glasbranche ist der Klimaschutz eine enorme Herausforderung. Daher freuen wir uns, sie mit diesem Pilotprojekt auf dem Weg in die Treibhausgasneutralität unterstützen zu können. Es geht letztlich darum, die Prozesse so weit wie möglich zu elektrifizieren, um damit den Verzicht auf fossile Energien konkret voranzutreiben. Mithilfe dieses Know-hows wird mittelfristig zur Dekarbonisierung der gesamten Glasindustrie beigetragen“, sagt KEI-Leiter Dr. Mario Hüttenhofer anlässlich der Förderbescheidübergabe.

Die Förderung des klimafreundlichen Verfahrens erfolgt im Rahmen des

Programms „Dekarbonisierung in der Industrie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Das Programm wird vom Kompetenzzentrum für die Energieintensive Industrie in Deutschland (KEI) betreut wird.

Mit der Förderung unterstützt das BMWK die energieintensive Industrie dabei, prozessbedingte Treibhausgasemissionen dauerhaft zu reduzieren. Zudem wird das Vorhaben durch die Europäische Union über den Fonds „NextGenerationEU“ finanziert. Hauptansprechpartner für das Programm „Dekarbonisierung in der Industrie“ ist das in Cottbus (Brandenburg) ansässige Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien.

Hintergrund: Vier Handlungsfelder für eine klimaneutrale Produktion

SCHOTT will das ambitionierte Ziel Klimaneutralität mit einem Aktionsplan aus vier Handlungsfeldern erreichen. Neben dem Technologiewandel zählen die weitere Verbesserung der Energieeffizienz, der Umstieg auf 100 Prozent Grünstrom und die Kompensation verbleibender Restemissionen dazu.

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