Jeder dritte Patient in deutschen Kliniken hat Diabetes. Um bei einer Operation dieser Patienten kein unter Umständen lebensbedrohliches Risiko einzugehen, ist es wichtig zu wissen, ob ein Patient Diabetes hat und wenn ja welchen Typ. Daher hat das Diabeteszentrum der Klinik für Innere Medizin 2 am Katholischen Klinikum Mainz (kkm), unter der Leitung von Dr. med. Colline Nittel, nun ein so genanntes Perioperatives Management etabliert.

Die Betreuung von Menschen mit Diabetes mellitus vor, während und nach einer Operation lässt sich so möglichst optimal gestalten. Die Risiken weitestgehend minimiert und gleichzeitig die Voraussetzungen für einen deutlich besseren Heilungsverlauf geschaffen.

6,5 Millionen Patienten in Deutschland

Diabetes mellitus, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt, ist ein Überbegriff für verschiedene Störungen des Stoffwechsels und die Volkskrankheit Nr. 1 in Deutschland. Allein in Deutschland leben rund 6,5 Millionen Menschen mit dieser chronischen Erkrankung. Jährlich werden rund 300.000 Neuerkrankungen verzeichnet. Darüber hinaus werden immer mehr Menschen immer älter und sind an mehreren Erkrankungen gleichzeitig erkrankt. So haben von den rund 18,5 Millionen stationären Patientenfällen rund 30 Prozent Diabetes. Die Behandlung und Einbeziehung von Diabetes bei der Behandlung anderer Erkrankungen spielt vor diesem Hintergrund eine immer größere Rolle.

Denn: Entgleist der Blutzuckerspiegel kann es für den Betroffenen lebensbedrohlich werden. Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Kopfschmerzen bis hin zu Seh- und Sprachstörungen sowie Verhaltensauffälligkeiten sind erste Warnsignale. Aber auch Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit oder Koma können die Folge sein, wenn eine Unter- oder Überzuckerung eintritt oder der Körper übersäuert und sich quasi regelrecht selbst vergiftet.

Wichtige Infos bei Operationen

Steht eine Operation bevor, ist es daher unablässig mögliche Risiken zu minimieren. Diese können sich unter anderem aus der Einnahme von Medikamenten und somit auch aus der Zuführung von Insulin zur Stabilisierung des Blutzuckers ergeben. Damit es also erst gar nicht zu einer Unter-, Überzuckerung oder Übersäuerung des Körpers kommt, ist es also wichtig zu wissen, ob jemand Diabetiker ist, welchem Typ er angehört und seinen Blutzuckerspiegel genau zu beobachten.

Genau dort setzt nun das sogenannte Perioperative Management bei Diabetes mellitus am Katholischen Klinikum Mainz (kkm) an. Ein Team aus Ärzten, Pflegekräften und Diabetesberatung arbeitet gemeinsam mit dem Patienten vor, während und nach der Operation Hand in Hand zusammen. So wird der Blutzuckerspiegel nicht nur regelmäßig überwacht und dokumentiert, auch haben die Beteiligten anhand einer Checkliste klare Vorgaben, welche Maßnahmen bei einer ungewünschten Veränderung des Blutzuckerspiegels einzuleiten ist. Hierzu arbeitet ein interdisziplinäres und multiprofessionelles Team gemeinsam zum Wohl der Patienten zusammen.

Abstimmung der Therapie für zu Hause

Das bedeutet dass Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen, wie Chirurgen, Ärzte der Inneren Medizin und Diabetologen sich absprechen, ggfs. auch gemeinsam Visite machen. Zudem sprechen sich die Ärzte und Pflegekräfte mit den Diabetesberatern, Ernährungsberatern und Wundmanagern ab, um die Herausforderungen der Patienten individuell und gemeinsam zu meistern. Es werden dann gemeinsame Entscheidungen getroffen, wie es für den Patienten weitergeht und welche Kombination von welchen Maßnahmen in welchem Umfang zum Einsatz kommen.

Insbesondere vor Entlassung wird natürlich auch mit dem Patienten abgestimmt welche Therapie für ihn zu Hause optimal und auch umsetzbar ist. Hier besteht auch die Möglichkeit die Angehörigen mit einzubinden und bezüglich des Umgangs mit Diabetes und der Diabetestherapie (z.B. Insulin) zu Schulen. Zudem stehen das Team in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzten und Diabetologen, um ein gemeinschaftliches Procedere für zu Hause erstellen zu können.

KKM erste Klinik in Deutschland

„Die Etablierung von klar vorgegeben Prozessen, welche auch die kontinuierliche Einhaltung der Standards der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) ermöglicht, gibt nicht nur unseren Patienten noch mehr Sicherheit. Auch geben sie den Operateuren und Anästhesisten während des Eingriffs Sicherheit, dass möglichst keine Komplikation durch einen entgleisten Blutzuckerspiegel entstehen kann.

Wir als Katholisches Klinikum Mainz (kkm) sind daher sehr froh und stolz zugleich, als eine der ersten Kliniken in Deutschland mit der Umsetzung des Perioperativen Management von Diabetes mellitus eine Leistung anbieten zu können die zu einer noch besseren Versorgung und Betreuung von Diabetespatienten beiträgt,“ erläutert Dr. med. Colline Nittel, Leiterin des Diabeteszentrums am Katholischen Klinikum Mainz (kkm).