Hier kommt das andere Ende der Leine zu Wort: der Don.

Menschen haben das Internet zu zwei wichtigen Zwecken erfunden. Der zweite davon: Über die Frage diskutieren, warum Hunde nicht sprechen können. Das ist Hasegespräch, wie man es in der Heimat des Dicken sagen würde.

Unser Kehlkopf ist falsch gebaut. Wir können die Laute nicht so bilden, wie ihr Menschen das tut. Ist blöd. Aber damit müssen wir leben. Sonst hat die Natur uns alle Trümpfe auf die Hand gegeben: Wir sind schneller, wittern besser und haben die härter zubeißenden Zähne. Dann müssen wir mit dem einen Nachteil leben, dass wir nicht sprechen können.

Ganz Schlaue führen es auf die Intelligenz zurück. Also auf unsere. Wir seien nicht schlau genug, um uns miteinander unterhalten zu können. Natürlich ist etwas dran an dem Zusammenhang von Theorie und Intelligenz. Fehlt es an der zweiten, kommt es zur ersten.

Wir reden, um Gutes zu erreichen

Ich kann nicht reden. Aber ich kann kommunizieren. Wenn wir andere Hundebesitzer treffen, jaule ich lange und langanhaltend, um von meinen Anliegen zu erzählen. Sie meinen jetzt vielleicht, die anderen würden mich nicht verstehen. Mag sein. Aber sie mögen mich und geben mir Leckerlis. Andere haben schon viel mehr geredet als ich – und damit viel Schlechteres erreicht.

Letztlich ist das doch Ziel jeder Kommunikation: Gutes zu erreichen, sich gegenseitig zu helfen. Im Biebricher Schlosspark mag ich es zum Beispiel, über den Bach zu springen und das andere Ufer entlang zu laufen. Dort wittere ich.

Ein anderer Hund kam mit seinem Dicken vorbei und interpretierte das falsch. Er dachte, ich wollte zurück ans andere Ufer und schaffe es nicht. Er sorgte sich, wurde hibbelig. Das wollte ich nicht und sprang zurück, um ihn zu beruhigen. Sie meinen also, es war ein Missverständnis? War es das wirklich? Alle waren zusammen, alle waren zufrieden. Ist die Kommunikation wirklich schlecht gelaufen?

Gegen manches ist der Dicke immun

Über 56 Jahre bin ich nun beim Dicken. Vieles an Kommunikation läuft von alleine. Das ist ein Vorteil. Meistens. Denn gegen manches Anliegen von mir ist der Dicke immun geworden. Mein Ich-verhungere-Blick funktioniert bei anderen wie ein Kommando. Der Dicke tut es mittlerweile mit einem genervten „Jetzt nicht!“ ab.

Ich muss also neue Wege finden, mit dem Dicken so zu reden, dass er mich nicht nur versteht, sondern auch das tut, was ich ihm sage. Da der Hungerblick nicht mehr zieht, bin ich zum Schnarchen übergegangen. Wenn die Arbeit zu lange dauert, keiner nach mir guckt und auch kein Leckerli mehr in Sicht ist, dann schnarche ich.

Erst nur laut. Dann immer lauter. Und zum Schloss noch lauter. Dabei habe ich die Augen offen und liege auf dem Bauch – sodass ich ganz schnell aufspringen kann, wenn der Dicke mich endlich füttert und dann Gassi geht. Reagiert der Dicke nicht, ändere ich meine Taktik: Ich schnarche nicht noch lauter sondern am lautesten.

Aktiv zufrieden

Der Dicke nennt das „passiv aggressiv“. Er habe mal mit einer Kollegin in einem Büro zusammen gearbeitet, die nur passiv aggressiv gekonnt habe. Was das bedeute, wollte ich wissen. Sie habe nie gesagt, was sie meinte, erzählte der Dicke. Sie habe am Thema vorbei schlecht gelaunt in den Raum geredet, in der Hoffnung, dass die Dinge anders werden.

Nicht sagen können, was man meint – aber damit trotzdem etwas erreichen? Das erinnert mich an etwas. Daran wie wir Hunde kommunizieren. Nur halt nicht passiv aggressiv, sondern aktiv zufrieden. Und danach geht es allen besser. Also wäre die Frage geklärt, wer hier der fortgeschrittene im Kommunizieren ist.

Ach so. Wäre noch zu klären, was der erste Zweck ist, für den das Internet erfunden wurde. Da ist die Rede von Filmen, die – wie soll ich beschreiben, was die zeigen? Sagen wir es so: Wir Hunde machen es, statt es uns anzusehen und auch damit fahren wir besser als ihr Menschen.

Hier findet Ihr weitere Folgen der Serie:

Der Dicke und ich, ich im Vordergrund. Selfie: Der Don