Die verrückten Welten der zahlreichen Online-Spiele auf unterschiedlichen Plattformen sind immer wieder für eine Überraschung in der echten Welt gut. Wer sich gerne eine Auszeit in diversen Online Welt nimmt, um Abwechslung von der Realität zu erleben, ist auch dort nicht vor dem Finanzamt sicher. Ein grotesker, aber nachvollziehbarer Fall beschäftigt derzeit das Kölner Finanzgericht, denn auch in Online-Spielen wie „Second Life“ gilt, dass das Vermieten von virtuellem Land genauso steuerpflichtig ist wie in der echten Welt.

Diese Erfahrung macht derzeit ein deutscher Spieler, der virtuelles Land von einer amerikanischen Gamer-Kollegin erworben und anschließend weitervermietet hat. Der neue Online-Großgrundbesitzer hatte seine Ländereien in einzelne Parzellen aufgespalten und diese in einer virtuellen 3D-Simulation zur Miete angeboten. Er war erfolgreich und wurde von seinen Mietern mit der In-Game-Währung bezahlt. Im Gegensatz zu Online-Lotterien, Sportwetten oder Online Casinos wie z. B. Rabona gelten für Online-Spiele andere Regeln, da diese nicht unter die Gerichtsbarkeit von Glücksspielgesetzen bzw. den ausstellenden Glücksspielbehörden und der damit verbundenen Glücksspiellizenz fallen.

Das Finanzamt hatte festgestellt, dass die im Spiel angebotene fiktive Währung „Linden Dollar“ auch in echtes Fiat-Geld gewechselt werden kann. Dabei handelt es sich um rücktauschbares Spielgeld – denn die erfolgten Mieteinnahmen können in der Börse im Spiel direkt in US-Dollar ausbezahlt werden.

Der besagte Gamer hatte hierfür bereits mehrere Jahre zuvor in Deutschland ein Gewerbe angemeldet und einmalig eine Umsatzsteuererklärung eingereicht. Die darauffolgenden Jahre ignorierte er diese Pflicht, zur Folge zog er die Aufmerksamkeit des Finanzamtes auf sich. Das Finanzamt erstellte auf Basis der Umsatzsteuererklärung eine Schätzung seiner Umsätze und verfasste die jeweiligen Bescheide. Der überraschte Spieler versuchte, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Er berief sich auf die Tatsache, dass zwischen ihm und der Kollegin aus den USA kein Leistungsaustausch stattgefunden habe und es keine Grundlage für eine Besteuerung gäbe. Das einzig aufrechte Geschäftsverhältnis bestehe zwischen ihm, seinen Mietern und den Betreibern des Online-Spiels.

Müssen Einkünfte aus Online-Spielen real versteuert werden?

Fiskus und Gericht sind sich gemeinsam darüber einig, dass jegliche Absichten, Einkünfte mit Charakteren, Gegenständen und Liegenschaften in Online-Spielen genauso zu besteuern sind wie im echten Leben. In weiterer Hinsicht beriefen sich beide Institutionen auf das vom Spieler vorgelegte Geschäftskonzept und der Anmeldung eines Gewerbes. Die Absicht des Klageführenden, Gewinne zu erwirtschaften, übersteige die eigentliche Motivation des Spielens.

Ein Leistungsaustausch kann demzufolge auch über den Spieler repräsentierende Spielcharaktere erfolgen. Spielcharaktere verfügen im eigentlichen Sinne über kein Eigenleben oder vergleichbare Dynamiken, damit sind diese deren Spielern gleichzustellen.

Der Kläger, der in der Bundesrepublik geboren wurde und auch der deutschen Sprache mächtig ist, wurde zur Bemessung der zu versteuernden Gesamtumsätze, welche in Deutschland zu entrichten sind, auf 70 Prozent geschätzt. Dieses Resultat basiert auf der Annahme, es sei naheliegend, das die am Leistungsaustausch beteiligten Personen ebenfalls aus Deutschland stammen.

Gegen das finale Urteil vom Finanzgericht Köln hat der Spieler Revision eingelegt. Das hat zur Folge, dass sich in nächster Instanz der deutsche Bundesfinanzhof mit der virtuellen Thematik auseinandersetzen wird. Es ist zu erwarten das hinsichtlich Online Games noch viele weitere Fälle wie dieser folgen werden.

Über den Autor:

Awais Dar schreibt leidenschaftlich gern über Gesundheit, Technologie, Bildung, Finanzen sowie über geschäftliche Grundlagen und ein wenig über die Igaming-Branche. Er hat eine Erfahrung von 10 Jahren in der Erstellung großartiger und nützlicher Inhalte, um Menschen Ideen / Wissen zu vermitteln.
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